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Gesellschaft ·

Wie viele Touristen verträgt eine Stadt?

Jeden Sommer reisen Millionen Touristen in die bekanntesten europäischen Städte. Für die lokale Wirtschaft bedeutet das Einnahmen und Arbeitsplätze, doch für die Bewohner bedeutet es oft Gedränge, Lärm und höhere Mieten. Experten nennen dieses Phänomen Overtourism.

Venedig ist vielleicht das bekannteste Beispiel. In der historischen Altstadt leben weniger als 50.000 Menschen, doch jedes Jahr kommen Millionen Besucher. Viele von ihnen bleiben nur wenige Stunden und lassen wenig Geld in der Stadt. Deshalb verlangt Venedig seit 2024 als erste Stadt der Welt an bestimmten Tagen eine Eintrittsgebühr von fünf Euro von Tagesbesuchern. Kritiker meinen, dass die Gebühr die Menschenmassen kaum verringert hat und dass die Stadt immer mehr einem Freilichtmuseum gleicht. Bereits im Jahr 2021 verbannte die italienische Regierung nach jahrelangen Protesten große Kreuzfahrtschiffe aus der Lagune.

In Spanien führte der Unmut der Bewohner in den letzten Jahren zu Massenprotesten. Im Sommer 2024 bespritzten Tausende Demonstranten in Barcelona Touristen mit Wasserpistolen. Sie beklagten, dass der Massentourismus das Leben in der Stadt immer teurer macht. Ähnliche Proteste gab es auch auf den Kanarischen Inseln, wo die Bewohner eine Begrenzung der Touristenzahlen fordern. Für viele junge Menschen sind die Wohnungen dort inzwischen zu teuer.

Eines der Hauptprobleme ist die kurzfristige Vermietung von Wohnungen über Plattformen wie Airbnb. Wenn Eigentümer ihre Wohnungen an Touristen vermieten, verdienen sie mehr als mit langfristigen Mietern. So bleiben immer weniger Wohnungen für die einheimische Bevölkerung auf dem Markt, und die Preise steigen. Barcelona plant deshalb, bis 2028 alle rund 10.000 Lizenzen für Ferienwohnungen abzuschaffen. Auch die Europäische Union beschloss neue Regeln, nach denen die Plattformen Daten mit den Behörden teilen müssen.

Ein Problem sind auch die großen Kreuzfahrtschiffe, die an einem Tag Tausende Menschen in eine kleine Stadt bringen können. Städte wie Amsterdam und Dubrovnik begrenzten deshalb die Zahl der Schiffe, die dort anlegen dürfen. Weitere Maßnahmen sind höhere Touristensteuern, Verbote für neue Hotels und Kampagnen, die Touristen in weniger bekannte Stadtteile lenken.

Viele Städte zögern jedoch, weil der Tourismus viel Geld bringt. Die Frage ist, wie man ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Gäste und der Bewohner finden kann.

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