Wie überstand die Weltwirtschaft den Energieschock?
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bekannt als OECD, veröffentlichte am 23. September in Paris ihre neue Prognose für die Weltwirtschaft. Ihr zufolge wächst die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 2,9 Prozent. Das ist etwas mehr als die Prognose vom Juni, in der die OECD ein Wachstum von 2,8 Prozent erwartete. Allerdings ist das Wachstum schwächer als im vergangenen Jahr, als es 3,4 Prozent betrug. Für das nächste Jahr erwartet die Organisation ein Wachstum von 3 Prozent, was etwas weniger ist als im Sommer.
Warum ist die Wirtschaft nicht eingebrochen, obwohl der Krieg mit dem Iran die Preise für Öl und Gas in die Höhe trieb? Die OECD nennt mehrere Gründe für diese unerwartete Widerstandskraft. Viele Regierungen haben den Bürgern und den Firmen geholfen die teuren Rechnungen für Energie zu bezahlen. Die Länder außerhalb der Golfregion förderten mehr Öl und Gas, und einige Staaten nutzten ihre Reserven an Öl. Außerdem investierten die Unternehmen viel Geld in künstliche Intelligenz, was die Produktion und den Handel ankurbelte.
Für die USA erwartet die OECD ein Wachstum von 2,2 Prozent und für China von 4,5 Prozent. Der Euroraum wächst nur um ein Prozent, sowohl in diesem Jahr als auch im nächsten Jahr. Deutschland bekam eine bessere Prognose, weil seine Exporte in der ersten Hälfte des Jahres unerwartet stiegen. Die Welt kauft mehr deutsche Elektronik für künstliche Intelligenz, und der Staat investiert in Verteidigung und Infrastruktur. Gute Nachrichten gibt es auch für Italien und Spanien, deren Prognosen ebenfalls angehoben wurden. Frankreich dagegen wächst nur um 0,4 Prozent.
Die schlechte Nachricht ist, dass die Inflation hoch bleibt. In den großen Volkswirtschaften der G20 steigen die Preise in diesem Jahr um 4,1 Prozent, während sie im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent stiegen. Generalsekretär Mathias Cormann warnte vor dem langsamen Schwinden der Reserven, mit denen die Welt den Schock abgefedert hat.
Die OECD sieht auch mehrere Gefahren für die kommenden Monate. Der Krieg im Nahen Osten könnte lange dauern, und ein sehr starker El Niño könnte weltweit schlechtes Wetter verursachen. Und wenn die Investitionen in künstliche Intelligenz keine Gewinne bringen, könnte das Wachstum viel schwächer ausfallen. Ob die Welt eine Krise vermeiden wird, hängt vor allem davon ab, wann der Krieg endet.