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Sport ·

Wie groß darf eine Weltmeisterschaft sein?

Als die USA, Kanada und Mexiko im Sommer 2026 gemeinsam die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichteten, war dies nicht nur das erste Turnier mit drei Gastgeberländern, sondern auch der Beginn einer neuen Ära für die populärste Sportart der Welt. Die Zahl der Teilnehmer war von 32 auf 48 Mannschaften erhöht worden, womit die Zahl der Spiele von 64 auf 104 stieg und das Turnier fast sechs Wochen dauerte. Die Spiele wurden auf 16 Städte verteilt, von denen elf in den USA, drei in Mexiko und zwei in Kanada liegen, wobei die Entfernungen zwischen den am weitesten auseinanderliegenden Stadien mehr als 4.000 Kilometer betragen. Das Eröffnungsspiel wurde im legendären Estadio Azteca in Mexiko-Stadt ausgetragen, das damit zum ersten Stadion der Geschichte wurde, in dem Spiele von drei Weltmeisterschaften stattfanden.

Um die enormen Distanzen zu verringern, verteilte die FIFA die Gruppenspiele nach Regionen, sodass Mannschaften und Fans in der ersten Phase nicht ständig den Kontinent durchqueren mussten. Dennoch mussten die Spieler mit mehreren Zeitzonen und an manchen Orten mit einer Sommerhitze zurechtkommen, die nach Warnungen von Gesundheitsexperten bei Temperaturen über 30 Grad ein ernstes Risiko für Sportler darstellt. Obwohl einige Stadien über ein schließbares Dach verfügen, waren Spieler und Zuschauer in den offenen Arenen der Hitze nahezu schutzlos ausgesetzt.

Zumindest in puncto Infrastruktur konnten sich die Organisatoren auf bereits bestehende Anlagen stützen. Da fast alle Stadien bereits existierten, mussten keine neuen Arenen errichtet werden, wie es in Katar oder in Brasilien der Fall gewesen war. Viele der Arenen wurden allerdings für American Football gebaut, sodass für das Turnier Naturrasen verlegt werden musste.

Weit größeren Unmut erregte die Preispolitik der FIFA. Der Verband setzte erstmals auf sogenannte dynamische Preise, bei denen der Ticketpreis je nach Nachfrage schwankt. So erreichten manche Tickets für die attraktivsten Partien, vor allem in der Endphase, Preise von mehreren tausend Dollar, was viele als Ausgrenzung gewöhnlicher Fans empfanden. Verteidiger des Modells halten dagegen, dass auf diese Weise zumindest ein Teil der Einnahmen nicht bei Schwarzmarkthändlern lande.

Die heftigsten Auseinandersetzungen drehten sich jedoch nicht um die Infrastruktur, sondern um das Format selbst, über das die FIFA bereits 2017 entschieden hatte. Alle 48 Mannschaften wurden in zwölf Vierergruppen eingeteilt, wobei nicht nur die beiden Ersten jeder Gruppe, sondern auch die acht besten Gruppendritten in die neu geschaffene Runde der letzten 32 einzogen. Befürworter der Reform argumentieren, dass die Erweiterung den Fußballverbänden aus Afrika, Asien und Ozeanien, die bei früheren Turnieren oft unterrepräsentiert gewesen seien, eine realistische Chance auf eine Teilnahme eröffnet habe. Kritiker warnten hingegen schon vor dem Turnier, dass die Gruppenphase an Spannung verlieren könnte, weil selbst ein dritter Platz in der Gruppe häufig für das Weiterkommen genügen würde. Zudem muss eine Mannschaft, die das Finale erreicht, nun acht statt sieben Spiele bestreiten, was den ohnehin überfüllten Terminkalender der Spitzenspieler zusätzlich belastet.

Für die FIFA, deren Einnahmen in hohem Maße von Fernsehrechten und Sponsorenverträgen abhängen, ist die Erweiterung vor allem ein lukratives Geschäft, da jedes zusätzliche Spiel auch zusätzliche Einnahmen bedeutet. Zugleich beobachten die Klubs und Ligen, die die Gehälter der Spieler zahlen, mit Sorge, dass internationale Turniere einen immer größeren Teil der Saison beanspruchen. Die nächste Weltmeisterschaft im Jahr 2030 erstreckt sich sogar über sechs Länder auf drei Kontinenten, auch wenn die meisten Spiele in Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen werden. Ob der Fußball wirklich ein derart großes Turnier braucht oder ob seine Anziehungskraft langfristig gerade unter diesem Gigantismus leiden könnte, zeigen erst die kommenden Jahre.

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