Das Verbot für kanadischen Alkohol vertieft den Handelskrieg in Nordamerika.
Mit den Anordnungen, die US-Präsident Donald Trump unterzeichnete, nachdem Kanada am 8. September seine Gegenzölle eingeführt hatte, tritt der Handelsstreit zwischen den beiden Nachbarländern in eine neue Phase. Ab dem 29. September wird die Einfuhr der meisten kanadischen alkoholischen Getränke, von Whisky und Wein bis Bier, in die USA vollständig verboten. Dasselbe gilt auch für Molke, für Melasse und für Motorräder mit größerem Hubraum. Damit weichen die Zölle von 50 Prozent, die für die meisten dieser Produkte seit Ende August galten, einem vollständigen Verbot.
Trump beruft sich auf Abschnitt 338 des Zollgesetzes von 1930, eine Vorschrift aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Dieser Abschnitt erlaubt dem Präsidenten die Einfuhr aus Ländern zu beschränken, die amerikanische Produkte diskriminieren. Die Maßnahmen gelten ausnahmslos, selbst für Waren, die die Bedingungen des nordamerikanischen Abkommens über freien Handel erfüllen.
Die amerikanische Regierung behauptet, dass Kanada seit Jahren amerikanische Hersteller von Milchprodukten, Alkohol und Autos diskriminiere. Kanada schützt nämlich seinen Milchsektor mit einem System von Quoten und hohen Zöllen auf Einfuhren, was Washington seit Langem kritisiert. Zudem entfernten bereits im März 2025 viele kanadische Provinzen amerikanische Getränke aus den Regalen der staatlichen Geschäfte, woraufhin die amerikanischen Exporte von Alkohol nach Kanada stark zurückgingen.
Nach den gescheiterten Verhandlungen am 21. August verhängte Washington bereits am nächsten Tag Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von etwa 20 Milliarden Dollar. Premierminister Mark Carney versprach damals, dass Kanada Dollar für Dollar zurückschlagen werde. Ottawa verhängte seine Gegenzölle von 15, 25 und 50 Prozent auf amerikanische Produkte von nahezu gleichem Wert, darunter Stahl, Haushaltsgeräte, Kleidung, Elektronik und Landmaschinen. Trump wiederum erweiterte neben den Verboten die Liste der Produkte mit Zöllen von 50 Prozent und ließ kanadische Produkte aus der staatlichen Beschaffung der USA ausschließen. Ab dem 1. Januar nächsten Jahres steigen planmäßig die Zölle auf kanadische Autos auf 50 Prozent.
Für Kanada, das mehr als zwei Drittel seiner Exporte in die USA verkauft, ist die Eskalation besonders schmerzhaft. Carney argumentiert dennoch, dass das Land alles Nötige habe, um sich neu auszurichten und zu florieren. Er räumt ein, dass eine solche Umorientierung ihren Preis haben werde, meint aber, dass Untätigkeit noch teurer wäre. Ihm zufolge stützte sich Kanada jahrzehntelang auf bequemen Handel mit einem Partner, während die USA nun noch größere Abhängigkeit statt einer echten Wirtschaftspartnerschaft verlangten. Die Regierung will deshalb schneller in Infrastruktur investieren und den Handel mit anderen Märkten ausbauen.
Der Schaden trifft jedoch beide Seiten. Amerikanische Händler müssen für kanadische Getränke Ersatz suchen, während kanadische Hersteller ihren größten Markt verlieren. Die offiziellen Verhandlungen stocken vorerst, obwohl der kanadische Minister Dominic LeBlanc mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer in Kontakt bleibt. Ohne Einigung bis zum 29. September greifen die Verbote. Damit verkäme der Handel zwischen den beiden Nachbarn, der jahrzehntelang nahezu zollfrei war, zu Maßnahmen und Gegenmaßnahmen.