Kann Geld die Leichtathletik verändern?
Mitte September veranstaltete World Athletics in Budapest die erste Ultimate Championship, einen Wettbewerb, mit dem der Leichtathletikkalender abgerundet werden soll. Gastgeber der Wettkämpfe war das Nationale Leichtathletikzentrum, dasselbe Stadion, in dem im Jahr 2023 die Weltmeisterschaft stattfand. An drei Abenden, vom 11. bis 13. September, kämpften die besten Athleten der Welt in 28 Disziplinen um Trophäen und Geld.
Die Wahl des Jahres ist kein Zufall: 2026 ist ein Jahr, in dem es weder Olympische Spiele noch eine Weltmeisterschaft gibt. In solchen Jahren endete die Saison bisher mit dem Finale der Diamond League, der Serie der wichtigsten Meetings des Jahres. Die neue Meisterschaft soll den Athleten und dem Publikum einen echten Höhepunkt der Saison bieten. Der Verband plant, die Meisterschaft alle zwei Jahre auszutragen und zu einem festen Bestandteil des Kalenders zu machen.
Es ist ein geschlossener Wettbewerb, für den die Athleten eine Einladung erhalten müssen. Direkte Einladungen erhielten die Olympiasieger von Paris 2024, die Weltmeister von Tokio 2025 und die Sieger der Diamond League dieses Jahres. Die übrigen Plätze wurden nach der Weltrangliste vergeben, die die Athleten anhand ihrer Ergebnisse einstuft. Die Zahl der Teilnehmer war bewusst klein: höchstens 16 Athleten in den Rennen und nur acht in den technischen Disziplinen.
Doch die meiste Aufmerksamkeit erregte das Rekordpreisgeld von 10 Millionen Dollar, das höchste in der Geschichte der Leichtathletik. Jeder Sieger in den Einzeldisziplinen erhielt 150.000 Dollar, und Geld bekamen alle Teilnehmer, sogar die Letztplatzierten. Zum Vergleich erhalten die Sieger bei normalen Meetings um ein Vielfaches geringere Summen. Verbandspräsident Sebastian Coe nannte das Preisgeld von 150.000 Dollar eine große Veränderung für einen Sport, der oft als unterfinanziert gilt. Andererseits bleibt die Frage, ob Geld allein ein neues Publikum anziehen kann.
In den Sprintrennen und den Hürdenrennen gab es keine klassischen Vorläufe, sondern nur Halbfinals und Finals. Die längeren Rennen und alle technischen Disziplinen waren direkte Finals. In den Würfen und horizontalen Sprüngen hatten die Athleten vier statt der üblichen sechs Versuche. Die Sieger erhielten statt Medaillen eigens gestaltete Pokale, was ein weiterer Unterschied zu klassischen Meisterschaften ist. Aus dem Programm gestrichen wurden das Kugelstoßen, das Diskuswerfen, der Dreisprung der Männer und das Hammerwerfen der Frauen. Das nahm den Athleten dieser Disziplinen die Chance auf hohe Einnahmen, obwohl sie Teil des olympischen Programms sind.
Stabhochsprung-Weltrekordhalter Mondo Duplantis gewann mit 6,20 Metern, während die Amerikanerin Melissa Jefferson-Wooden die Rennen über 100 und über 200 Meter gewann. Ihre 10,62 Sekunden über 100 Meter sind eine der schnellsten Zeiten der Geschichte, und mit 21,47 Sekunden über 200 Meter erzielte sie die beste Leistung der Welt in diesem Jahr. Bei den Männern gewann Kenny Bednarek aus den USA die 200 Meter in 19,52 Sekunden, ebenfalls die beste Zeit der Welt in dieser Saison. Der Norweger Jakob Ingebrigtsen schlug den Weltmeister Cole Hocker über 5000 Meter, mit einer Zeit knapp unter 13 Minuten. Die nächsten Ausgaben werden zeigen, wie lange das neue Format bestehen bleibt, doch für die Athleten, die in Budapest Geld verdienten, ist es bereits ein Erfolg.