Warum dauert der Weg des Westbalkans in die Europäische Union so lange?
Die Länder des Westbalkans wollen schon seit Beginn dieses Jahrhunderts Mitglieder der Europäischen Union werden. Auf dem Gipfel in Thessaloniki im Jahr 2003 versprach ihnen die EU eine europäische Zukunft. Seitdem wurde nur Kroatien Mitglied, und zwar im Jahr 2013. Die anderen Länder der Region warten noch immer, einige von ihnen seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Der Weg zur Mitgliedschaft besteht aus mehreren Schritten. Zuerst stellt ein Land einen Antrag und kann später den Kandidatenstatus erhalten. Dann beginnen die Verhandlungen, in denen das Land seine Gesetze an das EU-Recht anpassen muss. Dieses Recht ist in 35 Kapitel unterteilt, von der Justiz bis zur Umwelt. Jedes Kapitel muss geöffnet und geschlossen werden, und für jeden Schritt ist die Zustimmung aller Mitgliedstaaten nötig. Das bedeutet, dass ein einziges Land den gesamten Prozess blockieren kann.
Montenegro begann die Verhandlungen im Jahr 2012 und gilt als der am weitesten fortgeschrittene Kandidat. Serbien verhandelt seit 2014, doch der Fortschritt ist langsam, unter anderem wegen der Beziehungen zum Kosovo. Albanien und Nordmazedonien eröffneten die Verhandlungen offiziell im Jahr 2022.
Für Nordmazedonien war der Weg besonders schwierig. Das Land erhielt bereits im Jahr 2005 den Kandidatenstatus, aber Griechenland blockierte die Verhandlungen lange wegen des Namensstreits. Der Streit wurde im Jahr 2018 mit dem Prespa-Abkommen beigelegt, woraufhin der Staat seinen Namen änderte. Danach stellte Bulgarien neue Forderungen, unter anderem die Aufnahme der Bulgaren in die Verfassung. Die Forderung nach einer Verfassungsänderung führte im Land zu heftigen politischen Debatten.
Die Kandidaten müssen tiefgreifende Reformen umsetzen, vor allem in der Justiz und im Kampf gegen die Korruption. Brüssel erwartet außerdem freie Medien, unabhängige Gerichte und eine funktionierende Marktwirtschaft.
Warum dauert der Prozess dann so lange? Experten nennen mehrere Gründe, etwa langsame Reformen und die geringe Unterstützung für eine Erweiterung in manchen Mitgliedstaaten. Außerdem meinen viele in der EU, dass die Union zuerst ihre eigenen Regeln reformieren muss. Deshalb kann niemand mit Sicherheit sagen, wann das nächste Land des Westbalkans Mitglied wird.